Einstellungstest vorbereiten: Aufgabentypen, Strategien, Zeit
Einstellungstests bei Behörden, Banken, Polizei, Bundeswehr, Konzernen und Hochschulen unterscheiden sich im Detail, aber der logische Teil besteht fast immer aus denselben fünf bis acht Aufgabentypen. Wer diese Typen kennt und für jeden eine feste Vorgehensweise hat, verliert keine Zeit mehr mit der Frage, was überhaupt verlangt ist. Genau dieser Anteil macht nach der Forschung zu Übungseffekten den größten Teil des Zugewinns aus.
Die Aufgabentypen und wo sie vorkommen
- Zahlenreihen. In fast jedem Test, vom IST über den Wonderlic bis zu Mensa-Vortests. Eine Folge von Zahlen gehorcht einer Regel, gesucht ist die nächste.
- Figurenmatrizen. Kern der Raven-Tests und aller kulturfairen Verfahren. Ein 3×3-Raster folgt Regeln über Zeilen und Spalten, das letzte Feld fehlt.
- Figurenreihen. IST, CogAT, die meisten Assessment-Center-Tests. Vier Figuren verändern sich schrittweise, gesucht ist die fünfte.
- Spiegelbilder und Rotationen. Wonderlic, CogAT, technische Eignungstests, Polizei. Räumliches Vorstellen unter Zeitdruck.
- Rechenzeichen und Rechenaufgaben. Verwaltung, Bank, Bundeswehr. Zahlenverständnis unter Zeitdruck, nicht höhere Mathematik.
- Zahlenspanne und Merkaufgaben. Untertest der Wechsler-Skalen, in vielen Einstellungstests als Merkfähigkeitsteil.
- Analogien und Wortbeziehungen. Sprachgebundene Tests, IST, Wonderlic. Verhältnis zwischen zwei Begriffen auf ein zweites Paar übertragen.
Eine ausführliche Übersicht mit Beispielen steht unter Welche Aufgaben kommen im Einstellungstest vor?
Zahlenreihen: Differenzen bilden
Der erste Schritt ist immer derselbe: die Differenzen zwischen benachbarten Zahlen aufschreiben. Sind sie konstant, ist die Reihe arithmetisch. Wachsen sie gleichmäßig, bilden Sie die Differenzen der Differenzen. Wachsen sie schnell, prüfen Sie Multiplikation: jede Zahl geteilt durch die vorherige. Springen die Werte hin und her, liegen mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei verschachtelte Reihen vor, dann betrachten Sie nur jede zweite Zahl. Bleibt alles unklar, prüfen Sie abwechselnde Operationen wie mal 2, minus 3, mal 2, minus 3, und die Klassiker Quadratzahlen, Kubikzahlen, Primzahlen und Fibonacci.
Diese Reihenfolge deckt in der Praxis über neunzig Prozent der Testaufgaben ab. Alle Regeltypen mit Beispielen: Zahlenreihen lösen.
Matrizen: Merkmale einzeln prüfen
Eine Matrix wird nicht als Ganzes gelöst, sondern Merkmal für Merkmal. Form, Anzahl, Füllung, Drehung, Größe, Position. Für jedes Merkmal gibt es nur wenige mögliche Regeln: gleich in jeder Zeile, gleich in jeder Spalte, jede Ausprägung genau einmal pro Zeile und Spalte, oder steigend von links nach rechts beziehungsweise von oben nach unten. Sobald die Regel für ein Merkmal feststeht, streichen Sie alle Antwortoptionen, die sie verletzen. Meist bleibt nach zwei Merkmalen nur eine Option übrig. Ausführlich unter Matrizentests lösen.
Figurenreihen: den Schritt notieren
Bei Figurenreihen interessiert nicht die Figur, sondern die Veränderung zwischen zwei Figuren. Für jedes Merkmal fragen Sie: Um wie viel Grad dreht es sich pro Schritt, und in welche Richtung? Wie ändert sich die Anzahl? Wechselt die Füllung bei jedem Schritt oder bei jedem zweiten? Wenn Sie die Schritte für alle Merkmale kennen, führen Sie jeden Schritt einmal weiter und haben die gesuchte Figur konstruiert, bevor Sie die Optionen überhaupt ansehen. Mehr dazu: Figurenreihen lösen.
Spiegelbilder: ein Detail wählen
Drei Figuren sind Drehungen derselben Figur, eine ist gespiegelt. Wählen Sie ein markantes Detail, etwa in welche Richtung eine Spitze relativ zum Stiel zeigt, und gehen Sie die Details der Figur im Uhrzeigersinn durch. Bei einer Drehung bleibt diese Reihenfolge erhalten, bei einer Spiegelung kehrt sie sich um. Das funktioniert unabhängig vom Drehwinkel und ohne die Figur im Kopf zu drehen. Ausführlich: Spiegelbilder und Drehungen.
Rechenzeichen: vom Ergebnis her denken
Bei "4 ? 3 ? 2 = 10" beginnen Sie beim Ergebnis. Ist es größer als alle beteiligten Zahlen, steckt eine Multiplikation drin. Ist es kleiner als die größte Zahl, eine Subtraktion oder Division. Dann rechnen Sie die ein bis zwei plausiblen Kombinationen durch, mit Punkt- vor Strichrechnung. Wer alle Kombinationen systematisch prüft, braucht zu lange.
Zahlenspanne: bündeln
Ziffern einzeln zu behalten überfordert das Arbeitsgedächtnis ab etwa sieben Elementen. Bündeln Sie in Zweier- oder Dreiergruppen und sprechen Sie sie innerlich als Zahlen: 47, 12, 9 statt 4, 7, 1, 2, 9. Für die Rückwärtsvariante hilft es, die Folge als Bild vor dem inneren Auge zu halten und von rechts abzulesen, statt sie umzudrehen. Mehr unter Zahlenspanne im IQ-Test.
Zeit einteilen
Die meisten Tests sind so angelegt, dass niemand alle Aufgaben schafft. Das ist Absicht. Daraus folgen drei Regeln. Erstens: Nie an einer Aufgabe hängen bleiben. Wer nach einer Minute keinen Ansatz hat, rät und geht weiter, Raten kostet in den meisten Tests keine Punkte. Zweitens: Bekannte Typen zuerst. Wenn Sie in Zahlenreihen sicher sind, lösen Sie die zuerst und heben schwierige Matrizen für den Schluss auf, sofern das Format es erlaubt. Drittens: Vorher unter Zeitlimit üben. Wer im Training nie eine Uhr laufen hatte, unterschätzt im Test, wie schnell fünf Sekunden pro Aufgabe vergehen.
Wie viel Vorbereitung ist sinnvoll
Der Übungseffekt tritt schnell ein. Die Meta-Analyse von Hausknecht et al. (2007) zeigt, dass schon eine einzige Wiederholung eines Testformats die Leistung um rund ein Viertel Standardabweichung hebt. Zwei bis drei Wochen mit täglich zwanzig Minuten reichen, um alle Typen mehrfach gesehen zu haben und die Strategien zu verinnerlichen. Länger zu üben bringt wenig, weil der Effekt sättigt. Was nicht funktioniert, ist allgemeines Gehirnjogging als Ersatz, siehe Kann man den IQ trainieren?
Häufige Fragen
Wie lange sollte man sich auf einen Einstellungstest vorbereiten?
Zwei bis drei Wochen mit täglich etwa zwanzig Minuten reichen, um alle Aufgabentypen mehrfach gesehen und die Strategien verinnerlicht zu haben. Der Übungseffekt tritt schnell ein und sättigt danach.
Kann man einen Einstellungstest üben?
Ja. Die Aufgabentypen sind über Tests hinweg sehr ähnlich, und Vertrautheit mit dem Format hebt die Leistung nachweislich um mehrere Punkte.
Was tun, wenn man eine Aufgabe nicht lösen kann?
Raten und weitergehen. Fast alle Einstellungstests sind so angelegt, dass niemand alle Aufgaben schafft, und falsche Antworten kosten in der Regel keine Punkte.
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